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MAGAZIN des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln Herbst 2011 | Köln welt hat die fieber

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InHalT Eine Plattform für Lehrer Die IW Medien und die IW Consult haben das Lehrerportal der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft völlig neu gestaltet. Globales Fieber Die ökonomischen Ungleichgewichte machen der Welt zu schaffen wie nie zuvor. Deshalb ist es höchste Zeit, Fehlentwicklungen zu bekämpfen. Unvollständig nachhaltig Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ist nur in Teilen detailliert ausgearbeitet - sie vernachlässigt wirtschaftliche Aspekte. Abschied vom Modellmenschen Der Homo oeconomicus aus den Lehrbüchern hat oft nur wenig mit Otto und Lieschen Normalverbraucher zu tun. Die Wissenschaft denkt um. Google sucht IW Die IW Consult hat sich als Forschungsunternehmen einen Namen gemacht. Jetzt hat sie für Google 11.000 seiner Kunden befragt. Pro & Contra Betreuungsgeld CSU-Ministerin Christine Haderthauer befürwortet Geld für Eltern, die sich selbst um den Nachwuchs kümmern. IW-Ökonom Axel Plünnecke ist strikt dagegen. Herausgeber: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V. Postfach 10 19 42, 50459 Köln Konrad-Adenauer-Ufer 21, 50668 Köln Verantwortlich für den Inhalt: Johannes Christ · Telefon: 0221 4981-547 Jork Herrmann · Telefon: 0221 4981-527 21@iwkoeln.de · www.iwkoeln.de/21 Präsident: Dr. Eckart John von Freyend Direktor: Prof. Dr. Michael Hüther Geschäftsführer: Dr. Hans-Peter Fröhlich (stellv. Direktor) Dr. Hans-Peter Klös, Dr. Rolf Kroker, Axel Rhein Gestaltung: Ralf Meyer Produktion: IW Medien GmbH, Köln · Berlin Fotos: Fotolia, Getty Images, IW Medien, Picture Alliance Druck: Gebrüder Kopp, Köln

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eDITorIal Liebe Freunde des IW Köln, das Jahr 2011 ist zwar noch nicht ganz vorbei, trotzdem steht wohl schon jetzt fest, dass es den meisten von uns als ein ganz besonderes Jahr in Erinnerung bleiben wird. Die Schuldenkrise hat die Europäer hart getroffen. Das Thema dominierte in den vergangenen Monaten den politischen Prozess und die Medien. Viele Bürger sind wütend. Doch gegen wen richtet sich ihre Empörung? Gegen die Politik, die - zumindest in der Lesart Einiger - zu zögerlich oder gar falsch gehandelt hat? Gegen die Banken, die in den Augen Vieler zu riskant investieren und keine Lehren aus den vergangenen Krisen gezogen haben? Oder gegen jene Staaten, die viele Jahre weit über ihre Verhältnisse gelebt haben? Die wahren Schuldigen auszumachen, fällt schwer, denn die Zusammenhänge sind komplex. Das zeigt auch die Titelgeschichte dieser Ausgabe. Eines steht allerdings fest: Weiterhin Geld ausgeben, das sie nicht haben, dürfen die Regierungen nicht - ganz gleich, ob in Griechenland oder in Deutschland. Deshalb sind verbindliche Schuldenbremsen so wichtig. Um sie einzuhalten, müssen Politiker das Kunststück fertigbringen, ihre Arbeit zu tun, ohne dabei immer mehr Geld auszugeben. Wie das konkret aussehen könnte, mit dieser Frage haben sich Wissenschaftler des IW Köln anlässlich des 60. Geburtstags des Instituts beschäftigt. Ihre Antworten können Sie unter www.politikohnegeld.de nachlesen. Doch jetzt wünsche ich Ihnen erst einmal viel Spaß bei der Lektüre unseres Magazins. Sie finden es unter www.iwkoeln.de/21 übrigens auch online - ergänzt um multimediale Elemente wie Videos und interaktive Grafiken. Herzlichst Ihr Prof. Dr. Michael Hüther Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln Multimediale Ausgabe der 21 Für Smartphone-Benutzer: Bildcode scannen, etwa mit der App "Scanlife".

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panoRama Mal ehrlich, Herr Pispers! "20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind im Niedriglohnsektor tätig." ? Volker Pispers kann drei Stunden ununterbrochen sprechen, ohne sich ein einziges Mal zu verhaspeln. Wer die Bühnenschau des Kabarettisten besucht oder einen der zahlreichen Auftritte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verfolgt, bekommt ein geschlossenes Weltbild präsentiert, das so manches Parteiprogramm in den Schatten stellt. Die Kirche und der Kapitalismus sind seine Lieblingsgegner. Die jeweiligen Stellvertreter auf Erden, der Papst und Guido Westerwelle, haben nicht viel zu lachen - im Gegensatz zu den Zuhörern. Wer so viel austeilt, muss auch einstecken können, gesteht Pispers auf seiner eigenen Website ein. Deshalb sei gestattet, dem Bühnenprofi neben einer beeindruckenden Meinungsstärke auch eine gewisse Faktenschwäche zu attestieren. Besonders auffällig ist dieses Defizit beim Thema Niedriglohn. Da behauptet Pispers zum Beispiel, alle Beschäftigten mit weniger als 900 Euro brutto im Monat müssten 20 Prozent Sozialabgaben zahlen. In Wahrheit sind bis 400 Euro gar keine und bis 800 Euro nur reduzierte Abgaben fällig. Weiter heißt es, sämtliche Hartz-IV-Aufstocker hätten eine volle Stelle. Richtig ist, dass mehr als die Hälfte weniger als 15 Stunden im Monat arbeitet. Und so weiter und so fort. Das Ergebnis all der kreativen Rechnerei lautet bei Pispers: "20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind im Niedriglohnsektor tätig." Die Zahl stimmt zwar in etwa - allerdings bezogen auf die Zahl der Beschäftigten und nicht auf die der Erwachsenen. Der Unterschied beträgt immerhin 20 Millionen Menschen. Dass nur 16 Prozent der nun nicht mehr ganz so zahlreichen Niedriglöhner als arm gelten, weil häufig der Partner ordentlich verdient, verschweigt Pispers lieber ganz. Diese Zahl war dem studierten Theologen wohl doch zu sperrig, um sie in sein Glaubenssystem zu integrieren. Volker Pispers, Kabarettist Der Auftritt auf YouTube Stütze für Tom Hanks ? Die staatliche Filmförderung soll die heimische Kulturwirtschaft für den internationalen Wettbewerb stärken und das Kulturgut Kinofilm unterstützen. Doch vom deutschen Steuergeld profitieren auch Kassenschlager und Filme, deren kultureller Wert zumindest fragwürdig ist. Jedes Jahr verteilt der Deutsche Filmförderfonds 60 Millionen Euro an Produzenten, die mindestens ein Viertel ihres Budgets für deutsche Studios und Schauspieler vorsehen. Bis zu 20 Prozent der in Deutschland getätigten Ausgaben einer Filmproduktion gehen so auf Rechnung des Bundes. Die Finanzspritze dient dem "Erhalt und der Förderung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der filmwirtschaftlichen Unternehmen", heißt es im Subventionsbericht der Bundesregierung. Der zuständige Kulturstaatsminister Bernd Neumann lobt, die Finanzhilfe habe Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro angestoßen. Doch viele der subventionierten Filme wären vermutlich auch ohne Steuergeld in Deutschland gedreht worden. Kinoerfolge wie "Keinohrhasen" mit Til Schweiger sind auch aus eigener Kraft profitabel. Werden sie trotzdem gefördert, sprechen Ökonomen von einem Mitnahmeeffekt. Auch die Umverteilungseffekte der Förderung sind kritikwürdig. Alfred Boss, Subventionsexperte im Kieler Institut für Weltwirtschaft, fragt: "Ist es gerecht, wenn der prominente Filmschauspieler Mittel aus dem Steuertopf empfängt, in den auch Hartz-IV-Empfänger über ihre Verbrauchssteuern eingezahlt haben?" In der Tat verletzt es das Gerechtigkeitsempfinden, wenn ein Blockbuster wie "Inglourious Basterds" Millionenzuschüsse einstreicht, obwohl er seine Produktionskosten bereits am ersten Wochenende wieder einspielt. Seit September dreht Regisseur Tom Tykwer "Der Wolkenatlas" mit den Schauspielern Tom Hanks, Halle Berry und Hugh Grant - und 6 Millionen Euro Staatszuschuss. Das Mindeste wäre, wenn der Filmfonds im Erfolgsfall sein Geld zurückverlangen würde. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Förderung ist zweifelhaft. Erst recht ist es der Nutzen für das "Kulturgut Kinofilm", mit dem die Subvention offiziell begründet wird. Zumindest erschließt sich nicht jedem sofort die kulturelle Strahlkraft etwa der Fortsetzung des Märchens "Hänsel und Gretel". In der Vorankündigung des Filmprojekts heißt es: "Viele Jahre nachdem Hänsel und Gretel die Lebkuchenhexe im Ofen verbrannten, sind sie zu gefürchteten Kopfgeldjägern geworden." Die mittlerweile professionell betriebene Hexenjagd wird unterstützt von 6,7 Millionen Euro Steuergeld. Für Smartphone-Benutzer: Bildcode scannen, etwa mit der App "Scanlife".

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MAGAZIN21 · Herbst 2011 Abgelichtet ? Die Stare sind längst vor dem kommenden Winter geflohen. Eine innere Uhr verrät ihnen, wann es Zeit wird, der Sonne hinterherzufliegen. Auch vielen Politikern wäre zu wünschen, dass sie die Kenntnisse der Vögel über die Verteilung der Sonnenstunden verinnerlichten. Nicht wenige glauben noch immer, dass sich die Energieversorgung mit in Deutschland produziertem Solarstrom sichern lässt, obwohl dort nur 1.500 von 8.700 Stunden im Jahr die Sonne scheint. Wenn die Energiewende gelingen soll, heißt das: Die Sonnenenergie kommt aus dem Süden, die Windkraft aus dem Norden und der daraus erzeugte Strom wird in die Mitte Europas transportiert. Das geht allerdings nur mit neuen Stromleitungen. Die Stare wird es freuen, wenn sie zurückkehren. Nachgerechnet © IW Medien · Magazin 21 Anteil der Staatsbediensteten an allen Beschäftigten in Prozent 7,6 14,3 16,4 20,2 22,3 Prozent der Beschäftigten in Deutschland verrichten ihr Tagewerk im Auftrag des Staates. Im Jahr 2009 arbeiteten 5,7 Millionen Menschen etwa als Lehrer, Polizist, Richter und Müllarbeiter. In Skandinavien braucht der Staat im Verhältnis zur Gesamtbeschäftigung rund doppelt so viel Personal, um seine Aufgaben zu erfüllen. Japan begnügt sich dagegen mit vergleichsweise halb so vielen Staatsdienern wie Deutschland. Japa Deut USA schl and Groß Grie brita nnie n chen land 26,4 29,0 32,3 33,9 33,9 Finn land Fran kreic h Däne mark Schw eden Norw egen Quelle: Internationale Arbeitsorganisation Deutschland: 2009; USA, Griechenland, Dänemark, Finnland: 2008; Schweden, Norwegen: 2007; Japan, Großbritannien, Frankreich: 2006

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TITel Therapie für die Welt Während einige Staaten chronisch mehr konsumieren als sie produzieren, erzielen andere Länder jedes Jahr gewaltige Exportüberschüsse. Wie das Fieber eines kranken Körpers sind die globalen Ungleichgewichte häufig das Symptom tieferliegender Fehlentwicklungen.

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MAGAZIN21 · Herbst 2011 ? Auf der einen Seite stehen die Außenhandelsüberschüsse der großen Exportnationen wie China, Japan und Deutschland sowie von Ölförderländern wie Saudi-Arabien. Dem gegenüber stehen die Handelsbilanzdefizite von Nationen, die ihre Ausgaben nur mit immensen Krediten finanzieren können: etwa die USA und die südeuropäischen Staaten. Doch was soll daran so schlimm sein? Schließlich sind die meisten Menschen im "Ungleichgewicht". Entweder sie haben gespart oder sie sind verschuldet. Nur wenige Menschen leben mit einem ständig ausgeglichenen Kontostand um die null Euro. Alles in allem funktioniert das im kleinen Rahmen ganz gut. Auch im Großen ist per se nichts gegen Ungleichgewichte einzuwenden. Sowohl Überschüsse als auch Defizite können durchaus sinnvoll sein. Wenn beispielsweise Schwellenländer Kredite aufnehmen, um Straßen und Schulen zu bauen, dient das einem lohnenden Ziel: Die aufstrebenden Staaten schaffen damit die Basis für künftiges Wachstum. Rentieren sich die Investitionen, können die Kreditnehmer eines Tages ihre Schulden begleichen. Umgekehrt ist es für alternde Industrienationen wie Deutschland geradezu ein Gebot der ökonomischen Vernunft, über Exportüberschüsse Vermögen zu bilden und auch im Ausland anzulegen. Wenn immer weniger Menschen arbeiten und immer mehr Alte versorgt werden müssen, können die nötigen Mittel dafür später auch aus der Auflösung von Ersparnissen kommen. Soweit die Theorie. In der Praxis verschulden sich viele Staaten und ihre Bürger aber nicht, um das eigene Land für die Zukunft zu rüsten, sondern um den ausufernden Konsum bezahlen zu können. Griechenland und Portugal etwa kamen mit der Einführung des Euro plötzlich viel günstiger an Kredite. Mit dem Geld gingen die Staaten auf Einkaufstour im Ausland - und importierten weit mehr als sie im Gegenzug exportierten, häuften also riesige Handelsbilanzdefizite an. Ohne die gemeinsame Währung hätte der Wechselkurs dieser Entwicklung entgegengewirkt. Die griechische Drachme hätte abgewertet und somit Exporte verbilligt und Importe verteuert, sodass sich beide Warenströme wieder einander angeglichen hätten. Ohne diesen Ausgleichsmechanismus müssen die Länder andere Wege gehen, um die Balance wieder herzustellen - intern abwerten, wie das Ökonomen nennen. Die Arbeitnehmer müssen auf einen guten Teil ihres Lohns verzichten, damit die heimischen Produkte günstiger werden und mehr Abnehmer finden. Ungleichgewichte entstehen häufig, wenn flexible Wechselkurse als Korrektiv ausfallen. Das gilt zwischen Nordund Südeuropa, aber auch innerhalb einzelner Staaten. Der Süden Italiens zum Beispiel kann von der Wirtschaftskraft des Nordens nur träumen. Auch zwischen Ost- und Westdeutschland klafft trotz eines beachtlichen Aufhol- Das Fieber ist nur ein Symptom prozesses noch immer eine Kluft und in Belgien stehen sich das reiche Flandern und die arme Wallonie gegenüber. Wenn die Fliehkräfte nicht überhand nehmen sollen, muss es eine Anpassung zwischen den Regionen geben: Entweder fließen Finanzhilfen von Der Westen unter ferner liefen Währungsreserven in Milliarden Euro 7.000 6.000 5.000 4.000 3.000 2.000 1.000 2001 Quellen: Internationaler Währungsfonds, Zentralbanken, Bloomberg; Stand: jeweils August USA Thailand Euro-Zone Indien Südkorea Brasilien SaudiArabien Japan China 2011

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TITel Reich zu Arm oder der wirtschaftlich Schwächere bringt Opfer, und seine Arbeitnehmer akzeptieren drastische Lohnkürzungen. In funktionierenden Währungsräumen findet meist beides statt. Das Problem dabei ist, das richtige Maß zu finden, denn Finanzhilfen lassen sich politisch oft leichter durchsetzen als Einschnitte. So kommt es, dass zahlreiche Transfersysteme wie der Länderfinanzausgleich existieren, die wirtschaftliche Unwuchten nicht abbauen, sondern zementieren. Doch allen inneren Spannungen zum Trotz: Von außen betrachtet ist die europäische Handelsbilanz mit dem Rest der Welt mehr oder weniger ausgeglichen. Auf globaler Ebene stehen die Ungleichgewichte zwischen China und den USA im Vordergrund. Die Vereinigten Staaten sind so hochverschuldet, dass die US-Regierung nach einem beispiellosen Gezerre mit der Opposition die Verschuldungsgrenze anheben musste. Die privaten Haushalte in den USA sparen traditionell so wenig wie in kaum einem anderen Land. Den Immobilienhype im vergangenen Jahrzehnt nutzten viele US-Bürger, um in Erwartung steigender Hauspreise nicht nur das Eigenheim auf Pump zu finanzieren, sondern das Mobiliar und das Auto gleich mit. Das Ende ist bekannt: Die Blase platzte und brachte das Finanzsystem an den Rand des Abgrunds. Spiegelbildlich zu den Amerikanern verhalten sich die Chinesen. Weil sie dem Renten- und Gesundheitssystem in ihrem Land nicht vertrauen, legen sie mehr als ein Viertel ihres Einkommens auf die hohe Kante. Das schmälert die Binnennachfrage und führt dazu, dass das Reich der Mitte deutlich mehr exportiert als importiert. Hinzu kommt, dass der Wechselkurs des Renminbi nicht frei Die Vereinigten Staaten müssen ihre Schulden begrenzen schwankt. Durch Dollarkäufe in gigantischem Ausmaß schützt die chinesische Notenbank ihre Währung vor einer Aufwertung und erhöht somit künstlich die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft. Währungsreserven im Wert von 3,2 Billionen Dollar hortet China bereits. Ohne Staatseingriffe wäre der Renminbi deutlich teurer - und mit ihm die chinesischen Exporte. Den USA sind die Eingriffe natürlich ein Dorn im Auge. Mittlerweile drohen sie offen mit einem Handelskrieg. Die Staatenlenker haben erkannt, welchen Sprengstoff globale Ungleichgewichte bergen. Was passiert, wenn der Kapitalmarkt einem Land abrupt das Vertrauen entzieht, lässt sich in Griechenland besichtigen. Die Defizitländer sind gut beraten, zeitig ihre Bilanz ins Lot zu bringen und einer erzwungenen Anpassung zuvorzukommen. Ungleichgewichte sind allerdings nur ein Symptom für tieferliegende Verwerfungen. Wie bei einem Fieberkranken hilft es nicht, einfach die Körpertemperatur zu senken. Vielmehr müssen die Ursachen therapiert werden. Das überhitzte China und Staaten wie Thailand, die geldpolitisch im Schlepptau der asiatischen Großmacht fahren, sollten ihre Währungen behutsam in die Freiheit entlassen. China wäre zudem gut beraten, ein funktionierendes Renten- und Krankenversicherungssystem zu installieren, damit seine Bürger nicht länger einen großen Teil ihres Einkommens für den Notfall und das Alter zurücklegen. Auf der anderen Seite des Pazifiks sind die USA aufgefordert, ihre ausufernden Staatsschulden einzudämmen und die schwächelnde Exportwirtschaft auf Vordermann zu bringen. Der Durchschnittsamerikaner hat durch die Wirtschaftskrise bereits einen heilsamen Schock Sparsame Chinesen Ersparnisse der privaten Haushalte in Prozent des verfügbaren Einkommens im Jahr 2010 Quelle: OECD, National Bureau of Statistics of China China: 2009

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MAGAZIN21 · Herbst 2011 Globale Ungleichgewichte Warenexporte 2010 in Milliarden US-Dollar 206,5 110,3 177,7 Eurozone 233,3 China Grafik 91,9 Eine interaktive Grafik zum Thema finden Sie in der multimedialen Ausgabe des Magazins 21 auf: www.iwkoeln.de/21 283,7 Quelle: Internationaler Währungsfonds erfahren: Er spart mittlerweile immerhin rund 6 Prozent seines Einkommens - vier Mal so viel wie vor fünf Jahren. Den Ungleichgewichten innerhalb Europas will die Europäische Kommission mit einem Frühwarnsystem Herr werden. Sie schlägt vor, diverse Kriterien - wie die Lohnentwicklung - zu überwachen und daraus abzuleiten, ob bestimmte Defizite und Überschüsse problematisch sind. In "ernsten Fällen" will die EU-Behörde konkrete Gegenmaßnahmen vorschrei- ben. Folgt das betreffende Land diesen nicht, sind sogar Bußgelder vorgesehen. Dieses neue Verfahren zielt vor allem auf die Defizitländer ab. Allerdings erklingt auch immer wieder der Ruf, Deutschland solle seine Binnennachfrage mit Konjunkturprogrammen stärken und somit die Überschüsse begrenzen - angesichts auch hierzulande überbordender Staatsschulden ein waghalsiger Vorschlag. Höchst fraglich ist zudem, ob die so angekurbelte Binnenkaufkraft auch tatsächlich den Defizitländern zu Gute käme oder nicht vielleicht doch eher den chinesischen Herstellern von Fernsehern und Turnschuhen. Ohnehin dürfte die deutsche Konsumnachfrage bald ganz ohne staatliches Zutun Fahrt aufnehmen, weil Arbeitskräfte zunehmend gefragt sind und gegenüber den Unternehmen höhere Löhne durchsetzen können. Manchmal hilft gegen Fieber kein Medikament, sondern einfach nur Ruhe zu bewahren.

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aus Dem Iw Kompetenz gesucht Die IW Consult, vor elf Jahren als Tochter des IW Köln gegründet, hat sich längst als anwendungsorientiertes Forschungsunternehmen etabliert. Mittlerweile setzen nicht nur Verbände, sondern auch Unternehmen auf die Experten vom Rheinufer - unlängst Google. ? Der Internetriese (siehe Kasten) hat 11.000 seiner deutschen Kunden von der IW Consult zu ihren Erfahrungen mit Google-Angeboten und deren Bedeutung für die deutsche Wirtschaft befragen lassen. Ralf Bremer, Sprecher von Google in Deutschland, erläutert die Entscheidung für die Kölner: "Das IW Köln zählt seit Jahrzehnten zu den renommiertesten deutschen Wirtschaftsinstituten, gerade auf dem Gebiet der empirischen Forschung. Die IW Consult legte bei der Ausschreibung dieses Projektes von allen Bewerbern das mit Abstand überzeugendste Konzept vor." Marleen Schiffer und René Arnold sind bei der IW Consult die Ansprechpartner für Google. Sie stellten sicher, dass das umfangreiche Projekt in knapper Zeit umgesetzt werden konnte - mit allen Vorgaben, die es einzuhalten galt. Zum Beispiel beim Datenschutz. "An keiner Stelle sind die Adressen der Unternehmen und deren Antworten zusammengeflossen", erläutert Schiffer. dpa Picture-Alliance Außerdem, ergänzt Arnold, habe die IW Consult eine ganz klare Devise: "Selbst wenn 11.000 Unternehmen befragt werden, geben wir eine persönliche Mailadresse und einen persönlichen Ansprechpartner an - das schafft Vertrauen bei den befragten Unternehmen." Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort recherchierten Hintergrundinformationen für die Studie. "Dank dieser guten Vernetzung im Verbund konnten wir das Großprojekt in nur fünf Monaten stemmen", sagt Arnold. Das überzeugendste Konzept IW-Direktor Michael Hüther hat die Ergebnisse der Befragung im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt. Zuvor hatte die IW Medien mit ihren Redakteuren die wissenschaftlichen Ergebnisse für die Zielgruppen - Politiker, Journalisten, Unternehmer und die breite Öffentlichkeit - aufbereitet: in einer verständlichen Broschüre, einem kompakten Flyer und einem Video-Interview mit den IW-Wissenschaftlern. Auch die hauseigene Bibliothek unterstützte fleißig: Die Google Der Konzern beschäftigte 2010 mehr als 24.000 Mitarbeiter und hat aktuell einen Börsenwert von gut 160 Milliarden USDollar. Google ist eine der beliebtesten Suchmaschinen weltweit, unzählige Smartphones setzen auf sein AndroidBetriebssystem und YouTube - im Jahr 2006 von Google gekauft - ist Marktführer für Videos im Web. Darüber hinaus bietet Google Unternehmen ganz unterschiedliche Online-Anwendungen für Kommunikation und Organisation sowie Recherche- und Marketingtools. Im Geschäftsjahr 2010 machte der Internetkonzern 8,5 Milliarden Dollar Gewinn. Film Einen Film zum Thema finden Sie in der multimedialen Ausgabe des Magazins 21 auf: www.iwkoeln.de/21

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MAGAZIN21 · Herbst 2011 Der Verbund macht's Die IW Medien kann ihren Kunden mehr bieten als gewöhnliche crossmediale Agenturen. Denn als Tochter des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hat sie Zugang zum Fachwissen der Wissenschaftler. Davon konnte jetzt auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft profitieren - sie hat ihr Lehrerportal durch die IW Medien und die IW Consult völlig neu gestalten lassen. ? "Das alte Portal war nicht mehr zeitgemäß - sowohl im Design als auch im Aufbau", sagt Julia Saalmann, Consultant bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), auf die Frage, warum das Lehrerportal www.wirtschaftundschule.de einen neuen Anstrich bekommen sollte. Jetzt verfügt die Website nicht nur über ein modernes Design, sondern auch und vor allem über eine neue Struktur. Lehrerinnen und Lehrer können zum einen in fünf speziellen Themenbereichen suchen - zum Beispiel in "Globalisierung & Europa" oder in "Staat und Wirtschaftspolitik". Die dahinter stehenden Inhalte werden von der IW Medien und der IW Consult ständig erweitert und aktualisiert. Zum anderen gibt es Unterrichtsmaterialien, interaktive Grafiken, Erklär-Videos sowie Informationen zu Planspielen und Wettbewerben rund um das Thema Wirtschaft. Aber auch Projekte wie eine BusTour durch den Containerhafen Hamburg werden vorgestellt. Diese Vielfalt ist nur möglich, weil die Macher der Seite in den IW-Verbund eingebunden sind: Wo andere Agenturen externe Unterstützung brauchen, um Fachinformationen zusammenzustellen, können die IW Medien und die IW Consult auf Experten im Haus und Infoangebote wie den Informationsdienst iwd zurückgreifen. Zudem sind die verantwortlichen Redakteure darauf spezialisiert, komplexe Wirtschaftsthemen allgemeinverständlich aufzubereiten. So entstehen umfassende Hintergrundtexte - unter anderem zu den Themen Schuldenkrise, Welthandel, Integration und Energiewende. "Es war eine angenehme und durchweg positive Zusammenarbeit, geprägt von Professionalität und Kreativität", sagt INSM-Consultant Saalmann nach Abschluss des Relaunch. Für die multimediale Aufbereitung der Themen im Internet kann die IW Medien alle Register ziehen. Die hauseigene Abteilung "Electronic Publishing & New Media" wächst seit Jahren kontinuierlich und bietet ihren Kunden mittlerweile ein umfangreiches multimediales Repertoire inklusive Web 2.0-Anwendungen - von klassischen Internetseiten über Datenbanken und E-Journals bis hin zu Apps und interaktiven Grafiken.

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aus Dem Iw Feiern für die soziale Marktwirtschaft Forschen und über marktwirtschaftliche Zusammenhänge informieren - das sind die zentralen Aufgaben der Mitarbeiter des IW Köln. Im Jahr 2011 durften sie allerdings noch etwas anderes: sich und ihr Institut feiern (lassen), denn seit nunmehr 60 Jahren ist das IW Köln Anwalt der sozialen Marktwirtschaft. Doch auch beim Feiern kam der Satzungsauftrag nicht zu kurz - auf der Festakademie in Berlin diskutierten die führenden Wirtschaftsforscher des Landes miteinander; auf Kooperationsveranstaltungen mit Mitgliedsverbänden setzten sich IW-Direktor Michael Hüther und weitere Podiumsteilnehmer mit aktuellen wirtschaftspolitischen Fragen auseinander. In Köln selbst gab es Diskussionsrunden in Kooperation mit der regionalen Zeitung, dem Stadt-Anzeiger, und eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Arbeitgeberverband Köln. Ein Event mit dem Kölner Stadt-Anzeiger steht übrigens noch aus: am 7. Dezember mit IWChef Hüther und dem Autor und Psychologen Stephan Grünewald. Internationales Institut Auch und gerade Wirtschaftsforschungsinstitute müssen bei ihrer Arbeit Internationalisierung und Globalisierung im Blick behalten. Deshalb kooperiert das IW Köln mit anderen Wirtschaftsforschungseinrichtungen - darunter "Avenir Suisse" und "Ratio" in Schweden - und hat 2011 mit ihnen verschiedene gemeinsame Tagungen veranstaltet. Ausländische Regierungen interessieren sich ebenfalls für die Arbeit der Kölner Wirtschaftsforscher. So besuchten in diesem Jahr die Botschafter Großbritanniens und der Niederlande das Konrad-Adenauer-Ufer 21. Auch Delegationen aus dem asiatischen Raum sind immer wieder zu Gast in Köln; unlängst Vertreter des chinesischen Wohnungsbauministeriums und der Pekinger Wohnungsverwaltung. Am laufenden Band Ohne seine Mitglieder würde das IW Köln nicht existieren. Dieser Tatsache trägt das Institut nun mit einer Stele aus hellem Eichenholz Rechnung, die im Erdgeschoss des Hauptsitzes am Kölner Konrad-Adenauer-Ufer steht. Auf der Vorderseite der Stele befinden sich Leucht-Dioden, über welche die Namen der 110 Mitglieder laufen. "Ziel war es, unsere Mitglieder für Mitarbeiter und Besucher im Haus sichtbar zu machen", erklärt HansPeter Fröhlich, stellvertretender IWDirektor. Ein gewichtiges Vorbild für die Kölner Installation gibt es auch: Im Berliner Reichstagsgebäude laufen Gesetzestexte über ein DiodenBand. Dort hat allerdings eine externe Künstlerin für die Info-Tafel gesorgt; der Entwurf im IW stammt hingegen aus dem eigenen Haus. Marnix Krop, Botschafter der Niederlande in Deutschland, war in diesem Jahr einer der internationalen Gäste im IW Köln.

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was Genau IsT ...? MAGAZIN21 · Herbst 2011 Trägheit kann Leben retten Der Modellmensch Homo oeconomicus handelt immer rational, kennt alle Vor- und Nachteile seines Handelns und maximiert unbeirrbar seinen persönlichen Nutzen. Otto Normalverbraucher dagegen macht ständig Fehler, weiß kaum das Nötigste und hilft auch mal seinen Mitmenschen. Die Wirtschaftswissenschaftler beginnen daher umzudenken und das tatsächliche Verhalten des Menschen in ihren Modellen stärker zu berücksichtigen. ? Ein Raucher, der sein Leben sehenden Auges um ein Jahrzehnt verkürzt, muss den Tabakgenuss wohl höher schätzen als die verlorene Lebenszeit. So gesehen ist jedes Verhalten rational im Sinne des Homo oeconomicus - Kettenrauchen genauso wie Spielsucht und sogar Selbstmordattentate. Lange Zeit haben Ökonomen ihre Theorien auf die Annahme vom rationalen Nutzenmaximierer gestützt. Doch inzwischen dämmert ihnen, dass die Menschen nicht kühl ihren eigenen Vorteil verfolgen, sondern systematisch gegen ihre Interessen verstoßen. In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten haben Verhaltensökonomen in vielen Experimenten gezeigt, dass die Annahme vom Homo oeconomicus zu kurz greift. Geld ungefähr hälftig auf und der Mitspieler akzeptierte die Aufteilung. Wurde dem Partner jedoch ein deutlich kleinerer Betrag zugewiesen, schlug dieser das Angebot häufig aus und ging lieber mit Nichts nach Hause, um den Mitspieler für seine Unfairness zu bestrafen. Dem Homo oeconomicus wäre selbst ein einziger Euro lieber gewesen als kein Euro. mit einer Gegenleistung rechnen. Kooperatives Verhalten diente also letztlich dem Eigennutz. Heute sind viele Kontakte flüchtig - mit dem Verkäufer im OnlineAuktionshaus kommt man meist nur ein einziges Mal ins Geschäft. Die auf dauerhaften Austausch programmierten Verhaltensmuster bestehen aber weiter. Letzten Endes ist der Mensch mit einem Gehirn aus prähistorischer Zeit im Industriezeitalter gelandet. Die Rechenkapazitäten reichen nicht aus, um die Informationsflut zu bewältigen und alle Vor- und Nachteile einer Entscheidung abzuwägen. Und so entscheiden die meisten Käufer eher aus dem Bauch heraus - oder aus purer Gewohnheit. Verhaltensökonomen plädieren daher dafür, das manchmal irrationale Verhalten in der Gesetzgebung zu berücksichtigen. Aber wie können rationale Regeln für irrationale Menschen aussehen? Beispiel Organspende: In Umfragen erklären sich drei Viertel der Deutschen bereit, im Todesfall Herz und Nieren herzugeben, um sie Kranken und Unfallopfern zu überlassen. Dennoch hat sich aus eigenem Antrieb nur ein Viertel der Bundesbürger einen Organspendeausweis zugelegt. Wenn der Staat nun das Verfahren umdreht und jeden Bürger zunächst automatisch als Spender registriert, müssen die Menschen aktiv werden, wenn sie nicht spenden wollen. Österreich tut dies bereits und dort sind mehr als 99 Prozent der Bürger potenzielle Spender. Die Trägheit des Menschen kann so Leben retten. Die Ökonomen beginnen umzudenken In einem dieser Experimente dürfen zwei Probanden eine Geldsumme unter sich aufteilen. Der Erste bestimmt, wer wie viel bekommen soll. Der Zweite entscheidet, ob er damit einverstanden ist. Sagt er ja, nimmt jeder das so aufgeteilte Geld mit nach Hause. Lehnt er ab, gehen beide leer aus. Viele Versuchsteilnehmer teilten das Anders als im ökonomischen Modell angenommen, nimmt der reale Mensch Nachteile in Kauf, um andere zu bestrafen - oder auch zu begünstigen. Die Deutschen beispielsweise spenden im Durchschnitt mehr als 100 Euro pro Jahr. Evolutionsbiologen erklären solchen Altruismus damit, dass sich das Gehirn in einer Zeit entwickelt hat, als die Menschen in kleinen Gruppen lebten und ständig mit denselben Personen interagierten. Wer anderen einen Gefallen tat, durfte später

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THeMa Die dritte Dimension In kaum einer Politikerrede darf heute die "Nachhaltigkeit" fehlen. Der Begriff klingt nach Verantwortungsbewusstsein, bleibt aber häufig so unkonkret, dass er alles und nichts sagt. Dabei ist Nachhaltigkeit klar definiert: Bereits die rot-grüne Bundesregierung hatte Kriterien aufgestellt, die Nachhaltigkeit messbar machen sollen. Allerdings ist die Liste noch unvollständig. Indikatoren ökonomischer Nachhaltigkeit IW-Bewertung für Deutschland niedriger Handlungsbedarf Private und staatliche Investitionsquote Arbeitslosigkeit/Erwerbstätigkeit Humankapitalausstattung Inflationsrate Arbeitsproduktivität Lohnstückkosten Implizite und explizite Staatsverschuldung Quelle: IW Köln mittlerer Handlungsbedarf hoher Handlungsbedarf Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter Qualität der öffentlichen Verwaltung Rechtsstaatlichkeit Gründungsdynamik Exportperformance Innovationsfähigkeit Ausländische Direktinvestitionen in Deutschland Diversität des Finanzsystems Abgabenquote

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MeInunG MAGAZIN21 · Herbst 2011 Geld für Betreuung daheim? Die Regierung hat beschlossen, Eltern mit Kindern unter drei Jahren bald 150 Euro Betreuungsgeld pro Monat zu zahlen, wenn der Nachwuchs keine öffentlich finanzierte Kindertagesstätte besucht. Ist die neue Sozialleistung sinnvoll? Gelingt Bindung, gelingt Bildung! Christine Haderthauer bayerische Familienministerin Nein Die Prämie schafft fatale Anreize. Prof. Dr. Axel Plünnecke Bildungsökonom im Institut der deutschen Wirtschaft Köln ? Wer nach der Schule direkt mit der Arbeit beginnt, bekommt keinen Ausgleich dafür, dass er das Hochschulsystem nicht nutzt. Eltern, die die staatliche Betreuungsinfrastruktur nicht in Anspruch nehmen, sollen aber eine Prämie erhalten. Die Begründung: Der Ausbau der Kinderbetreuung begünstige das Doppelverdienerpaar - und der Alleinverdienerhaushalt werde benachteiligt. Allerdings greift die öffentliche Hand der Alleinverdienerehe bereits kräftig unter die Arme. Der Partner daheim ist kostenlos krankenversichert, das Ehegattensplitting mindert die Steuerlast und die Witwenrente sichert die Altersversorgung. Benachteiligung sieht anders aus. Als zweites Argument dienen die angeblich bessere Bildung und emotionale Bindung der Kinder, weil die Eltern dank Betreuungsgeld mehr Zeit mit ihnen verbringen. Allerdings wirkt sich die Prämie kaum auf die Entscheidung zwischen Eigen- und Fremdbetreuung aus, so eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Eltern, die ihr Kind ohnehin selbst betreuen wollen, nehmen den Bonus dankend entgegen. Und das Gros jener Eltern, die lieber beide berufstätig sein möchten, lässt sich auch von 150 Euro nicht davon abhalten. In der Regel veranlasst die Sozialleistung nur jene Eltern zum Umdenken, die schlecht ausgebildet sind und daher kaum auf einen guten Verdienst hoffen können. Empirische Untersuchungen zeigen, dass gerade Kinder aus diesen Familien enorm von einer Kita profitieren würden. Ihrer Entwicklung steht das Betreuungsgeld im Weg. ? Jeder öffentlich geförderte Krippenplatz entspricht einer Sachleistung im Wert von rund 1.000 Euro pro Monat. Ab 2013 kann jeder seinen Krippenplatz sogar einklagen. Ohne eine Unterstützung für andere Betreuungsmodelle wirkt dies wie eine staatliche Empfehlung für den Krippenplatz ab dem ersten Geburtstag. Das Betreuungsgeld soll jungen Eltern helfen, die die Betreuung in den ersten drei Lebensjahren ihrer Kinder persönlich leisten oder privat organisieren wollen, beispielsweise durch eine Tagesmutter oder familiennahe Bezugsperson. Genau das wünschen sich viele Eltern: Über zwei Drittel sehen die Krippe für ihr Einjähriges nicht als optimale Lösung an. Die ebenso falsche wie häufig wiederholte Leerfloskel, das Betreuungsgeld halte gerade jene Kinder von der Krippe fern, die am meisten von einem Krippenplatz profitieren, ist längst widerlegt: Erstens weisen alle neueren Langzeitstudien nach, dass lange Fremdbetreuung in den ersten drei Lebensjahren keine Bildungsvorteile, sondern sogar Risiken für die emotional stabile Entwicklung mit sich bringt. Zweitens ist erwiesen, dass die emotionale Zuwendung, auf die es in den ersten Lebensjahren ankommt, unabhängig vom Bildungsabschluss und von der Herkunft der Eltern ist. Das Betreuungsgeld ermöglicht eine Alternative zum Krippenplatz, die es in der sensiblen Bindungsphase unter Dreijähriger erlaubt, ihre individuellen Belange in den Mittelpunkt zu stellen.

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Wirtschaft ist packend. Wirtschaft ist komplex. Und Wirtschaft lässt uns nie los. Deswegen kümmern wir uns leidenschaftlich gern darum, Wirtschaftsthemen spannend und so einfach wie möglich zu vermitteln. Möchten Sie wissen, wie wir Menschen für Ihr Thema begeistern und welche Lösungen unsere Journalisten, Designer, PR-Berater und Online-Spezialisten für Sie entwickeln können? Dann sprechen Sie uns an. Wir sind das Medienhaus im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Telefon 0221 4981-260, E-Mail: iwmedien@iwkoeln.de www.iwmedien.de