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Gute Überschriften: So finden Sie die richtige Headline für Ihren Beitrag

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Gute Überschriften: So finden Sie die richtige Headline für Ihren Beitrag:

Für viele Texter sind Überschriften ihre persönliche Schwachstelle. Bei mir zum Beispiel nahm die Suche nach einer guten Überschrift früher oft ähnlich viel Zeit in Anspruch wie das Schreiben des gesamten Beitrags. Ein Grund: Die Komplexität und gleichzeitig die Wichtigkeit einer Überschrift. Auf sehr wenig Platz muss sie den Leser schnell davon überzeugen, Zeit und Muße zum Lesen des restlichen Textes aufzubringen.

Die Überschrift ist das erste, was potenzielle Leser von einem Text sehen und meist auch das einzige Kriterium, nach dem sie entscheiden, ob sie ihn lesen wollen und in sozialen Netzwerken teilen. Mag der Artikel auch noch so Pulitzer-Preis-verdächtig sein – hat er eine langweilige oder komplizierte Überschrift, werden Menschen ihn nicht klicken und lesen. Deshalb ist es nicht verkehrt, einige Zeit für das Finden einer guten Überschrift aufzuwenden. Mit ein paar einfachen Hinweisen geht es jedoch etwas schneller als früher bei mir.

Kurz, einfach, präzise, dringend

Das sind vier wichtige Eigenschaften einer guten Überschrift. Eine Überschrift soll einen Leser auf den ersten Blick neugierig auf den Text machen und ihm einen Eindruck davon geben, was ihn erwartet. Muss er die Überschrift erst mehrfach lesen, um sie zu verstehen, lässt das nichts Gutes für den Rest des Artikels ahnen. Deshalb: Halten Sie sich kurz, vermeiden Sie wenn möglich Schachtel- und Nebensätze und vermitteln Sie ganz klar, worum es in dem Text geht. Außerdem hilft es, ein Gefühl der Dringlichkeit zu vermitteln: Was in dem Text steht, ist jetzt wichtig und hilft mir ganz aktuell. Zum Beispiel: „Wie Sie jetzt bei der Steuererklärung Geld sparen“ statt „Eventuell haben sie beim Ausfüllen der Steuererklärung noch Potenzial, etwas weniger zahlen zu müssen“.

Wie bei allen Texten gilt zudem in der Überschrift: aktiv und bildhaft schreiben, spannende und ungewöhnliche Wörter benutzen, die ausdrücken, dass etwas passiert. Auch die direkte Ansprache an Leser wirkt aktivierend und verdeutlicht, dass der Beitrag konkrete Tipps für den Alltag der Leser beinhaltet.

Sag, worum es geht – aber verrate nicht alles

Wie viel verrate ich bereits in der Überschrift? Das ist oft eine Gratwanderung. Denn zum einen muss aus der Überschrift klar hervorgehen, worum es im Beitrag geht. Zum anderen sollte sie aber auch nicht zu viel verraten. Um bei unserem fiktiven Steuerbeispiel zu bleiben: „Infos über Steuern“ ist genauso eine schlechte Überschrift wie „Wer auf Seite 8 der Steuererklärung das letzte Kästchen ankreuzt, spart 20 Euro“. Die eine verrät zu wenig über den Inhalt, die andere nimmt zu viel vorweg. Eine beliebte Möglichkeit ist es, die Überschrift als Frage zu formulieren. Etwa: „Wie kann ich bei der Steuererklärung Geld sparen?“ Einerseits ist klar, was den Leser im Text erwartet – nämlich eine Antwort auf die gestellte Frage. Andererseits ist die Antwort in der Überschrift noch nicht gegeben. Doch Fragen als Überschrift können unter Umständen auch nach hinten losgehen – wie der nächste Tipp zeigt.

Mache Versprechen, aber keine falschen

Eine gute Überschrift ist auch immer ein Versprechen an den Leser: Hier erfahrt ihr etwas Neues, etwas Nützliches, etwas Spannendes – zusammengefasst, ihr bekommt einen Mehrwert. Das weckt natürlich Erwartungen bei den Lesern: Dieses Neue, Nützliche, Spannende wird im Beitrag ausführlich behandelt und aufgelöst. Gute Möglichkeiten, Versprechen über den Inhalt in Überschriften zu vermitteln sind beispielsweise Listen (7 Tipps zum Geldsparen bei der Steuererklärung) oder Fragen (Wie spare ich Geld bei der Steuererklärung?) – natürlich vorausgesetzt, dass der Beitrag dann auch 7 nützliche Tipps beziehungsweise die genaue Antwort auf die Frage enthält. Ist dies nicht der Fall, fühlen sich die Leser schnell – und zurecht – hintergangen. Zum Beispiel, wenn die Überschrift „Wie Sie jetzt bei der Steuererklärung Geld sparen“ lautet, aber nur ein Erklärtext über das deutsche Steuersystem folgt. In Zukunft werden sie dann vermutlich nicht mehr klicken.

Fingerspitzengefühl bei Wortspielen und anderen Stilmitteln

Wortspiele und andere Stilmittel

Ein beliebtes und immer wieder genutztes Stilmittel für Überschriften sind Wortspiele und die leichte Abwandlung bekannter Phrasen. Das kann oft gut funktionieren. So wurde beispielsweise vor einigen Jahren die Überschrift „Yes, we scan!“ eines Bild-Artikels zur NSA-Affäre in den USA in Anlehnung an den „Yes, we can!“-Slogan von Barack Obama vom Verein Deutsche Sprache zur Schlagzeile des Jahres gewählt. Bietet sich ein Wortspiel thematisch an, ist kurz, neu und nicht zu kompliziert, kann es gut als Überschrift funktionieren. Allerdings ist Vorsicht gefragt. Denn so häufig Wortspiele in Überschriften Spaß machen, so oft sind sie auch kitschig, ausgelutscht und laden nur zu einem müden Kopfschütteln ein. Auch andere Stilmittel tauchen immer wieder in Überschriften auf. Darunter sind besonders häufig Alliterationen und Dreiklang-Überschriften. Der Vorteil an ihnen ist, dass sie in der Regel einen schönen Klang und einen eingängigen Rhythmus haben und dementsprechend gut bei Lesern ankommen. Dass es aber auch hier schnell müßig und unsinnig werden kann, zeigt Medienjournalist Stefan Niggemeier unterhaltsam an Beispielen von Spiegel Online. Auch bei Überschriften, die auf Denglisch setzen, heißt es vorsichtig sein. Deshalb gilt nicht nur bei Wortspielen, sondern bei allen Stilmitteln: Mehr Feingefühl, weniger Brechstange.

SEO nicht vergessen

Schreibt man eine Überschrift für einen Online-Beitrag, entsteht häufig ein zusätzlicher Konflikt: Eine schöne Überschrift aus Sicht der Autoren gegenüber einer schönen Überschrift aus Sicht von Google. Die Überschrift ist essenzieller Teil der Suchmaschinenoptimierung (SEO) eines Beitrags. Starke Keywords müssen deshalb unbedingt in die Überschrift – und dort am besten so weit vorne wie möglich. Nicht immer zeichnen sich die Keywords allerdings durch besondere Schönheit für eine Überschrift aus. Hier heißt es abwägen. Im Zweifel sollten sich Autoren doch für die von Suchmaschinen präferierte Version entscheiden – auch wenn sie stilistisch vielleicht nicht ganz so rund ist wie eine nicht-SEO-optimierte Alternative. Im Idealfall zeigen Autoren hier ihr ganzes Können und verbinden SEO und Stil zu einer von Suchmaschinen und Lesern geliebten Überschrift.

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