News

Q 4.0-Livestream: ein Dreh, bei dem alles sitzen muss

Lesezeit: 3 min

Q 4.0-Livestream: ein Dreh, bei dem alles sitzen muss:

Wie bringt man ein Netzwerk von rund 100 Menschen im Zeitalter von Corona und Videokonferenzen in einen lebendigen Austausch? Vor dieser Frage stand das Projekt NETZWERK Q 4.0, ein Netzwerk zur Qualifizierung des Berufsbildungspersonals im digitalen Wandel, vor seinem ersten hybriden Treffen. Mit Hilfe der IW Medien hat das Berufsbildungsnetzwerk die optimale Lösung gefunden: ein Livestream, der die Kombination aus realem Treffen der Projektpartner aus ganz Deutschland im IW und online möglich macht. Die Teilnehmenden können bei diesem Hybridtreffen live vortragen, miteinander diskutieren und vor allem kollaborativ arbeiten. Als Auszubildende bei der IWM-Abteilung Crossmedia Content war ich Teil des Videoteams, das den Livestream technisch umgesetzt hat. In dem Umfang eine Premiere für das Videoteam – und für mich als Kamerafrau. Und das bei einer Liveproduktion, bei der jeder Faux Pas direkt ins Auge fällt.

Die Generalprobe

Es geht abwärts, Etage für Etage. Der Aufzug ist voll mit übervollen Kabelkisten, Stühlen, Computern, Lampen und weiteren Geräten. Der Aufzug bleibt stehen, die Türen öffnen sich. „Tut mir leid, leider ist hier kein Platz mehr“, sagt Lennart Forsch, Volontär des Videoteams. Im Erdgeschoss angekommen, schieben Lennart und ich langsam, damit auch nichts runterfällt, die Materialien in den großen Versammlungssaal „Eucken“. Stühle für die Gäste hat die Hausverwaltung schon in ordentlichen Reihen aufgestellt, jetzt sind wir an der Reihe: Tische für das Mischpult, die Computer und das weitere Equipment müssen her. Und zwar dahin, wo sie die Aufnahmen vom Publikum und von den Referenten nicht stören. Für deren Präsentation befindet sich am Kopf des Raumes schon eine große Leinwand mit Beamer.

Während Hans Margon Funken von der Logistik noch Raumtemperatur und Licht regelt – hell, aber nicht zu kalt muss es für unsere Aufnahmen sein – liegen auf Tischen und Boden schon Kabel über Kabel. Alles benötigt Strom und muss verbunden werden. Als sich das Gewirr lichtet, führt eins in den Computer, das andere zum Mischpult und das nächste zur Kamera. Ein weiteres führt zum Smartboard, über das die digitalen Teilnehmer später zugeschaltet sind. Lennart platziert die Kameras auf dem Stativ im Raum. „Es ist wichtig, dass wir alles richtig mit den Kameras einfangen können, darum ist die Position entscheidend“, erklärt er.

Ein Livestream braucht alle Ressourcen des Videoteams und mehr: Die komplette Ausrüstung ist dabei, zusätzlich benötigtes Material haben wir ausgeliehen, außerdem ist Jan Kiffmeyer als externer Kameramann und ich als Auszubildende dabei. Videoproducer Jan-Alexander Sauer kommt vom Verleih zurück: „Ich habe fast alles bekommen“, sagt er. Lennart kräuselt die Stirn. „Die zwei Adapterkabel werden heute noch hierher geliefert“, sagt Jan – und Lennarts Gesicht glättet sich. Weiter geht’s: Kabel verlegen und anschließen. Das Mischpult mit seinen vier Mikrofon- und zwei Stereo-Line-Eingängen ist voll besetzt. „Ich hätte nie gedacht, dass wir mal so viele Anschlüsse brauchen“, staunt Lennart. Jetzt kommt der Toncheck: Lennart dreht an den Reglern des Mischpults, während ich klar und deutlich in die Mikros spreche: „Heute Morgen hatte ich ein leckeres Brötchen zum Frühstück.“ Lennart hebt den Daumen. Der Ton sitzt. Jan richtet währenddessen die Computer ein und überprüft das Bild. Noch ein Batteriecheck, dann sind wir fast startklar.

Bühne frei also für die Moderatorinnen des Netzwerktreffens, Teamleiterin Karen Bartling, Referentin Juliane Rohner und ihr Team, die mit einem schwungvollen „Guten Morgen!“ den Raum betreten. Sofort machen sie sich an die Arbeit und bereiten den Raum mit vielen bunten Zetteln, Stiften, Flipcharts, Post Its, Pinnwänden mit Plakaten und Ablaufplänen für die kommenden zwei Tage sowie wegweisenden Pfeilen für den Livestream vor. Die Moderatorinnen prüfen, ob die Präsentation läuft. Mit Jan überlegen sie, wo sie sich hinstellen sollen, damit sie noch von den Kameras eingefangen werden können. „Wollen wir einmal alles kurz durchgehen?“ fragt Karen Bartling in den Raum. Nicken von allen Seiten: Die Generalprobe kann beginnen.

Ein paar KollegInnen loggen sich online ein, der Rest ist live dabei. „Wird alles funktionieren?“ höre ich Jan murmeln. Die Onlinetester können den Raum und die Präsentation sehen. Aber: „Ich glaube, wir können die nicht hören“, sagt Bartling mit Blick zu Lennart. Der dreht an den Reglern des Mischpults. Stille. Nach mehreren Versuchen hört man die Testteilnehmer sprechen. „Es funktioniert“, sagt Jan. Puh. Ich atme tief durch. Alles steht bereit für morgen, zur Premiere des hybriden Netzwerktreffens.

Der Livestream

Ein letzter Soundcheck: Wir statten alle Referenten mit Mikros aus. Hintergrundmusik läuft, während sie zum Test in die Mikros sprechen. „Die Onlineteilnehmer überschneiden sich beim Sprechen kurz mit der Musik“, bemerkt Lennart. Er dreht an den Reglern. „Immer noch“, sagt Jan. Ein erneuter Versuch, Umstecken der Kabel. Das Problem bleibt. „Es liegt an den Boxen“, stellt Lennart fest. Beide gucken sich an. Jan läuft los und besorgt eine neue Box. Neuer Versuch: Jetzt sind die Onlineteilnehmer gut zu hören.

Der Livestream beginnt, jetzt wirklich. Die Gäste gehen langsam zu ihren Plätzen und unterhalten sich. Als die Gespräche verstummen, beginnt Juliane Rohner „Herzlich Willkommen beim hybriden Q 4.0-Treffen.“ Jan Kiffmeyer und ich fangen das Geschehen und die Gesichter im Raum mit der Kamera ein. So können die Onlineteilnehmer dem Treffen folgen. Ein Handgriff am Objektiv, und das Kamerabild ist scharf gestellt. Nach und nach kommen Fragen aus dem Publikum. Wir schwenken zu den Fragestellern, zoomen rein und stellen scharf. „Julia, kannst du mir mal Publikum anbieten?“, fragt Jan per WhatsApp. Ich mache einen Schwenk übers gesamte Publikum. Jan nickt. Das Team hat sich eingespielt.

Nach zwei Tagen werden die Teilnehmenden in Präsenz und digital verabschiedet und der Livestream erfolgreich beendet. Das Videoteam lehnt sich zurück. „Das hat ja alles super funktioniert“, bedankt sich Karen Bartling bei uns. „Ja, es gab keine größeren Probleme mehr bei uns. Die Übertragung lief super. Auch die Kommunikation der Live- und Online-Teilnehmer hat einwandfrei funktioniert“, stimmt Jan zu. Ich jedenfalls weiß jetzt: Nur, wenn Techniker und Videoproducer Hand in Hand mit den Organisatoren und Moderatorinnen arbeiten, funktioniert so ein großes Hybrid-Event online und vor Ort. Und zwar mit echten Diskussionen und neuem Output für die Teilnehmer. Eine technische Herausforderung fürs Videoteam, die wir gemeistert haben.

Julia Spürck

Gesprächsbedarf?

Julia Spürck
Auszubildende der IW Medien

Neue Wege bringen unerwartete Ideen mit sich.

Gesprächsbedarf?

Datenschutzerklärung

Weitere Artikel